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Sabbatmodell

Arbeitszeit teilen, weniger Geld bekommen, Lebenszeit gewinnen

Das Sabbatmodell des Berufsverbandes der PR half mehreren KollegInnen zu einer Anstellung.

Zum ersten Mal appellierte der Berufsverband der PR im Jahr 1997 an die Bamberger Diözesanleitung, mit modellartiger Abeitszeitverkürzung zusätzliche Arbeitsplätze in der Seelsorge zu schaffen. Hintergrund: Fünf von damals insgesamt 15 PastoralassistentInnen sollten damals keine Festanstellung erhalten.

Was aus heutiger Sicht nach fast traumhaften Verhältnissen aussieht, war damals Anlass für den Berufsverband, mit kreativen Anstellungsverhältnissen nach neuen Möglichkeiten zu suchen. Vorbild waren bereits praktizierte Sabbatmodelle in den baden-württembergischen Diözesen Freiburg und Rottenburg-Stuttgart: Nach denen konnte eine neue Stelle finanziert werden, wenn sieben PastoralreferentInnen jeweils sieben Jahre lang bei voller Arbeitszeit auf ein Siebtel ihres Gehaltes verzichteten. Zum Ausgleich winkte jeweils ein „Sabbat“-Freijahr.

Den Bamberger LaientheologInnen ging es aber nicht allein um die Solidarität. Gleichzeitig wollten sie auch einen gesamtgesellschaftlichen Beitrag zur Diskussion um Arbeitszeitmodelle und den Abbau von Arbeitslosigkeit leisten, der vielleicht Vorbildcharakter haben könnte. Ein Studientag mit dem inzwischen verstorbenen schwäbischen Arbeitszeitforscher Willi Haller sowie einem Sabbatjahr-erfahrenen Pastoralreferenten aus Freiburg diente unter anderem dazu, diese Diskussion zu fundieren und in die Öffentlichkeit zu tragen.

Es dauerte eine gewisse Zeit, bis das Modell in Bamberg umgesetzt wurde. Bis Herbst 1999 hatten sich elf PastoralreferentInnen bereit erklärt, am Sabbatmodell mitzuwirken. Dadurch ermöglichten sie bis dahin vier neue Stellen. In den folgenden Jahren folgten noch weitere KollegInnen und ermöglichten damit weiteren PastoralassistentInnen eine Anstellung, die zunächst allerdings zeitlich stark befristet war – auf jeweils zwei Jahre nämlich nur. Ein Großteil der auf diese Weise befristet angestellten LaientheologInnen wurde von der Erzdiözese später trotzdem fest engagiert. Andere fanden eine Anstellung in Freiburg, Rottenburg-Stuttgart oder in der Schweiz: Es hatte sich für sie als vorteilhaft erwiesen, durch diese zusätzlichen zwei Jahre weitere Berufserfahrung zu sammeln und sich mit dem Titel eines „Pastoralreferenten“ neu bewerben zu können.

Das Sabbatjahr-Modell war so gesehen ein großer Erfolg. Die Weisendorfer Sparbeschlüsse sowie eine Veränderung der arbeitsmarktpolitischen Großwetterlage ließen es dann aber zum Auslaufmodell werden: Der Einstellungsstopp für PastoralreferentInnen galt auch für auf zwei Jahre befristete Stellen. Und Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich schien in der rasch gewandelten Arbeitswelt mit ihrer permanenten Leistungsverdichtung und Arbeitszeit-Eröhung aus der Mode geraten zu sein - ein Jahr auszusetzen galt manchen bald als nahezu frevlerischer Luxus.

Trotzdem: Seine Chancen gerade für MitarbeiterInnen im pastoralen Bereich sollten auch künfig beachtet und genutzt werden. Und wenn schon keine neuen MitarbeiterInnen dadurch angestellt werden, so wäre es zumindest ein attraktives und gerechtes Sparmodell für einen Arbeitgeber wie die Erzdiözese. Und wer weiß: Vielleicht werden Arbeitszeitmodelle wie das Sabbatjahrmodell irgendwann einmal ja doch wieder modern?

(Jürgen Kaufmann)